Bolzentreppen

Bolzentreppen – Aufbau und allgemeine Informationen

Treppen sind tragende Konstruktionen, die sich über Jahrhunderte in einer großen Vielfalt entwickelt haben. Mehr als 50 Treppenarten sind heute bekannt und die Bolzentreppe rangiert heute in der Häufigkeit ihrer Verwendung immerhin auf Platz 3. Grund zu dieser herausragenden Stellung ist vor allem ihre moderne Gestaltung, die sie in  jedem Eigenheim zum architektonischen Blickfang werden lässt. Eine große Auswahl an Modellen und Varianten hat dazu geführt, dass die Bolzentreppen in nahezu allen baulichen Situationen anwendbar ist und in ihrer Konstruktion an die örtlichen Gegebenheiten angepasst werden kann.

Der Aufbau

Die Bolzentreppe gehört zur Gruppe der freitragenden Treppen. Damit zeichnen sie sich durch eine leichte Konstruktion aus. Ihre Gestaltung wirkt offener als die einer Wangentreppe, weil die Stufen lichtseitig (also von der Wand entfernt) vom Handlauf abgehängt werden und auf der Wandseite mit Bolzen in das Mauerwerk eingelassen werden. Entsprechend belastbar wird die Konstruktion des Handlaufes sowie der Geländerstäbe ausgeführt. Alternativ, aber nicht so gebräuchlich dazu, kann die wandseitige Befestigung auch mit einer Wandwange erfolgen. Werden die gummigelagerten Stahlbolzen im Mauerwerk befestigt, erhält die Treppe eine zusätzliche Trittschallminderung. Die Gummilager verhindern eine Übertragung der Schallwellen in das Mauerwerk. Ihre unmerklich federnde Befestigung schont die Wirbelsäule und Gelenke ihrer Benutzer.

Die Kräfte der Treppe werden bei dieser Bauweise hauptsächlich in das Mauerwerk abgeleitet. Ihre freitragende Konstruktion erfordert jedoch eine entsprechende höhere Stufendicke als bei einer Treppe mit Setzstufen. Die Mindestdicke ist mit 55mm vorgeschrieben. Das architektonische Erscheinungsbild der gesamten Treppenkonstruktion gewinnt jedoch gerade durch dieses Detail.

Brandschutztechnisch gesehen sind Bolzentreppen allerdings keine ideale Lösung. Durch das Fehlen der Setzstufen können die Flammen im Brandfall durchschlagen. Die Kautschukmasse, mit der die Bolzen im Mauerwerk gelagert sind, ist nicht ausreichend hitzebeständig. Andererseits gibt es keine statistisch geführten Erkenntnisse, nach denen Treppen dieser Art zu besonders drastischen Brandausbreitungen geführt haben.

Die spezielle Konstruktion dieser Treppen erfordert bei jedem Modell eine bauaufsichtliche Zulassung. Außerdem ist die wie bei jeder Treppe vorgeschriebene CE-Kennzeichnung nach EU-Richtlinie 89/106/EWG erforderlich.

Die feste Verankerung der Bolzen im Mauerwerk verlangt Materialien wie Gasbeton, Poroton oder Beton. Leichtbauwände wie Paneele oder Trockenbau kommen zur Aufnahme der Kräfte dieser Treppe nicht in Frage.

Gängige Materialien

Zur Herstellung der Treppenstufen eigenen sich einige Holzarten. Buche zeichnet sich dabei durch einen besonders hohen Härtegrad aus, wie er den Erfordernissen einer freitragenden Treppe entgegen kommt. Eiche hingegen erleichtert durch seine Faserstruktur die Herstellung. Ahorn ist ein weiteres häufig verwendetes Holz für die Treppenstufen und Esche zeichnet sich durch die größte Elastizität dieser vier Holzarten aus. Dekorativ sind alle diese Hölzer, sodass die Auswahl entsprechend des sonstigen baulichen Designs des Hauses gewählt werden kann.

Bei der Mehrzahl der Holztreppen bestehen die Handläufe aus dem gleichen Material wie die Stufen. Für die Treppenstäbe hingegen sind den gestalterischen Möglichkeiten kaum Grenzen gesetzt. Alle Materialien, die die Kräfte dieser freihängenden Treppe aufnehmen können, dürfen verwendet werden. Die häufigste Verwendung finden dabei Hölzer und Edelstahl.

Als Stufenmaterial gewinnen auch Steinmaterialien zunehmend an Bedeutung. Eine Granittreppe in verschiedenfarbigen Dekoren verleiht jedem Eigenheim ein besonders edles Design und steigert den Wohnwert. Dieses Material in Verbindung mit Edelstahl für die Tragbolzen ist der absolute Blickfang der gesamten Treppenanlage. Selbstverständlich müssen auch die Hersteller dieser Stufen auf die besonderen Erfordernisse der Tragfähigkeit einer solchen Treppe achten und benötigen eine baurechtliche Zulassung dafür.

Der Einbau

Die spezielle Konstruktion erfordert ein großes Fachwissen. Vor allem das fachgerechte Einsetzen der gummmigelagerten Bolzen muss sorgfältig erfolgen. Für den Laien fast undurchführbar ist dabei das millimetergenaue Ausmessen aller Stufen untereinander. Für den Fachmann ist dies kein Problem, führt er diese Arbeiten doch ständig aus und er findet auch auf bauliche Maßabweichungen die fachkompetente Antwort. Bei guter Vorbereitung ist der Einbau innerhalb eines Arbeitstages abgeschlossen.